Geschichte

Ladenburg

Stadtgeschichte - Kurzfassung

Ladenburg ist eine Stadt mit einer bewegten Geschichte: aus einer römischen Militäransiedlung zur Kontrolle des Neckarüberganges entwickelte sich eines der wichtigsten Zentren römischen Lebens rechts des Rheins. Im Mittelalter lag die Stadt sowohl im Einflussbereich des Bistums Worms als auch in dem der Pfalzgrafen bei Rhein, dann Kurfürsten. In Ladenburg haben viele bedeutende historische Ereignisse Deutschlands ihre Spuren hinterlassen: Die Reformation spaltete die Bevölkerung Ladenburgs und bedingte fast zwei Jahrhunderte Auseinandersetzungen zwischen den Konfessionen. Sowohl im Dreißigjährigen Krieg durch Soldaten der Liga und der Union als auch in dem Orléan’schen Krieg durch französische Soldaten wurde die Stadt besetzt. In den Nachwehen des Vormärz 1848 kämpften badische Revolutionäre und reaktionäre preußische Truppen 1849 um die Stadt. Von den Zerstörungen des 2. Weltkriegs blieb die Stadt weitgehend verschont, der NS-Terror machte jedoch auch vor der jüdischen Gemeinde Ladenburgs nicht Halt.

Im Jahre 1998 feierte die Stadt ihr 1900-jähriges Bestehen und zählt damit zu den ältesten Städten Deutschlands.

Antike – Kelten, Römer und Germanen

Die Ursprünge Ladenburgs liegen im Dunkeln. Ca. 3000 v. Chr. siedelten jungsteinzeitliche Bauern auf Ladenburger Boden. In der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends vor Christus befestigten keltische Helvetier die auf einem Neckarschwemmkegel gelegene Siedlung, Lokwodunon. Aus der Spätlatènezeit des zweiten und ersten Jahrhunderts vor Christus ist eine Viereckschanze nachweisbar, die kultischen wie profanen Zwecken diente.

Ab ca. 15 n. Chr. siedelten die Römer elbgermanische Sueben als Bauernmiliz im Vorfeld der römischen Reichsgrenze an. Lopodunum (der latinisierte keltische Name von Lokwodunon) wurde Siedlungsmittelpunkt. In der Folge eroberten die Römer das rechtsrheinische Gebiet. Holzkastelle und schließlich ein Steinkastell für römische Auxiliareinheiten (u.a. 500 Reitersoldaten) sicherten den Neckarübergang. Zwei Vicus im Umfeld des Kastells bildeten die Keimzelle der späteren Stadt. Kaiser Trajan – nach Auflassung des Steinkastells – erhob Lopodunum zum Hauptort der Civitas Ulpia Sueborum Nicrensium. In den folgenden beiden Jahrhunderten erlebte die Stadt eine erste Blüte und zählte zu den bedeutendsten römischen Verwaltungszentren rechts des Rheins, wovon noch heute viele Spuren zeugen (Stadtmauer, Forum, Basilika, Kulttheater, Thermen, Mansio und zahlreiche Tempel).

Immer häufiger überwandten germanische Horden den Limes, um römische Siedlungen zu plündern. Etwa 260 überfielen die Alamannen die Stadt und zerstörten sie zu großen Teilen. Einige römische Siedler blieben aber und tradierten den Ortsnamen. 369 n.Chr. wurde die Stadt unter Kaiser Valentinian erneut erobert. Noch im selben Jahr wurde am damaligen Neckarufer ein turmartiges Kleinkastell mit Hafen (Burgus) errichtet, das zusammen mit anderen derartigen Bauwerken in der Region die freie Schifffahrt auf dem Neckar und dem Oberlauf des Rheins sicherstellen sollte.

Mitte des 5. Jahrhunderts, kurz vor dem Untergang des weströmischen Reiches, endete die römische Herrschaft über die Stadt Ladenburg.

Mittelalter – Pfalz, Bischof und Reformation

Nach der Schlacht bei Zülpich (Sieg der Franken unter ihrem König Chlodwig über die Alamannen) und Einigung der Frankenstämme werden die Franken (Merowinger) die Herren des Landes. Sie errichteten in der Stadt, nun Lobdenburg genannt, eine Königspfalz. Die Stadt wurde zum Zentrum des umliegenden Lobdengaus. 628 übergab der Frankenkönig Dagobert I. Stadt und Gau im Rahmen einer Schenkung an das Bistum Worms, nicht ahnend, dass dies Grundstein einer späteren jahrhundertelangen Fehde zwischen den Wormser Bischöfen und den Pfalzgrafen bei Rhein, den späteren Kurfürsten der Pfalz, werden sollte.

Während des Früh- und Hochmittelalters fanden in Ladenburg zahlreiche Bautätigkeiten statt: eine erste karolingisch-ottonische Stadtmauer entstand schon im 9. Jahrhundert, im 13. Jahrhundert begann man mit dem Bau der gotischen St. Galluskirche auf den Fundamenten der römischen Basilika. 1370 erlangte der pfälzische Kurfürst Ruprecht I. die weltliche Herrschaft über einen Teil der Stadt, der andere Teil verblieb jedoch weiterhin im Besitz des Bistums Worms. Damit begann das 1385 vertraglich geregelte sogenannte Kondominat, d.h. Bischof und Kurfürst teilten sich die Herrschaft über Ladenburg. 15 Jahre später änderte sich die Situation nochmals: Die Bürger der Stadt Worms vertrieben den Bischof Eckard von Ders, der seinen Sitz daraufhin nach Ladenburg verlegte und den Bischofshof ausbauen ließ.

Unter Bischof Johann von Dahlberg, einem der Frühromanisten, erlebt Ladenburg eine neue große Blüte. Durch die Eingliederung der Bibliothek des Lorcher Klosters in die bischöfliche Bibliothek entsteht eine der wichtigsten Bibliotheken, die sog. Biblioteca Palatina. Diese Bibliothek wurde der Universität Heidelberg eingegliedert und gelangte in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges in den Vatikan. Sieben Kaiser und Könige besuchten während der Zeit des Römischen Reiches Deutscher Nation Ladenburg.

Die Mitte des 16. Jahrhunderts einsetzende Reformation ging auch an Ladenburg nicht spurlos vorüber: 1564 kam es am Weihnachtsabend in der St. Galluskirche zu Handgreiflichkeiten zwischen dem Wormser Bischof Bettendorf und dem reformierten Pfarrer Eckard. Bischof Bettendorf suchte daraufhin die Aussöhnung mit den Bürgern der Stadt Worms und verließ Ladenburg. Im darauffolgenden Jahr ließ der calvinistische Kurfürst Friedrich III. die St. Galluskirche, die nun ohne bischöflichen Schutz war, plündern und alle Altäre und katholischen Bildnisse zerstören.

Im 17. Jahrhundert erlebte Ladenburg zwei Plünderungen: Sowohl im Dreißigjährigen Krieg – auch Zerstörung der Stadt und Ermordung der Bevölkerung – als auch im Pfälzischen Erbfolgekrieg (Orléans’scher Krieg) zogen fremde Heere durch Ladenburg.

1705 fiel Ladenburg schließlich komplett an die Kurpfalz: Kurfürst Johann Wilhelm und Bischof Franz Ludwig, die Brüder waren, einigten sich auf einen Gebietstausch, das Kondominat endete somit nach 320 Jahren.

Neuzeit – Märzrevolution, Carl Benz und NS-Diktatur

Nach der französischen Revolution wurde Ladenburg im Rahmen der Koalitionskriege 1799 besetzt und wurde durch die Napoleonische Neuordnung Europas dem jetzt entstandenen Großherzugtum Baden zugeschlagen – dies war das Ende der Kurpfalz.

In der deutschen Revolution 1848/1849 spielte Ladenburg ebenfalls eine wichtige Rolle: Die Neckarbrücke der Stadt war während der badischen Revolution 1849 heftig umkämpft. Zwischenzeitlich gelang es den Freiheitskämpfern, die Stadt vor den reaktionären preußischen Truppen zu verteidigen. Letztlich blieben die Bestrebungen der Freiheitskämpfer jedoch fruchtlos.

Von 1904 bis zu seinem Tod 1929 lebte der Erfinder des Automobils, Dr. Carl Benz, in der Stadt. Er gründete mit seinem Sohn die Firma „Carl Benz Söhne“. Sein Wohnhaus sowie seine Fabrik beherbergen heute jeweils ein Museum.

Auch Ladenburg blieb von der Herrschaft der Nationalsozialisten 1933-1945 nicht verschont. Die seit dem 13. Jahrhundert bestehende jüdische Gemeinde emigrierte zu großen Teilen in die USA, nach England und Palästina. Die letzten 27 jüdischen Gemeindemitglieder der Stadt wurden im Oktober 1940 ins Internierungslager Gurs und später in verschiedene Vernichtungslager deportiert. Seit diesem Zeitpunkt gibt es kein jüdisches Gemeindeleben mehr in Ladenburg, die Synagoge sowie das Gemeindehaus waren bereits in der Pogromnacht von 1938 zerstört worden. Von den Zerstörungen der alliierten Bombenangriffe blieb Ladenburg weitgehend verschont, Ende März 1945 besetzten amerikanische Truppen die Stadt kampflos.

Im Landesentwicklungsplan 1972 wird Ladenburg als Unterzentrum ausgewiesen. Seit 1973 gehört Ladenburg zum neu entstandenen Rhein-Neckar-Kreis, 1998 feierte die Stadt ihr 1900-jähriges Bestehen. Es bestehen Partnerschaften mit der Präfektur Garango in Burkina Faso und mit der Marktgemeinde Patermion in Kärnten (Österreich).